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 An die Öffentlichkeit

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An die Öffentlichkeit
Der türkische Staat muss sich beim kurdischen Volk für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit entschuldigen, die TäterInnen verurteilen und die Opfer entschädigen

 




Der türkische Staat muss sich beim kurdischen Volk für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit entschuldigen, die TäterInnen verurteilen und die Opfer entschädigen

Seit mehreren Monaten werden auf den WEB-Seiten von Gelawej und von zahlreichen kurdischen Personen und Organisationen Kampagnen geführt, die den türkischen Staat auffordern, die Folterer nach dem Militärputsch vom 12. September 1980, die im berüchtigten Gefängnis von Diyarbakir Tausende politische Gefangene gefoltert haben, zu bestrafen sowie diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die bisher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Sie fordern auch den türkischen Staat auf, sich bei den Betroffenen, an denen und/oder an deren Familienangehörigen seit dem Militärputsch vom 12. September 1980 bis heute Verbrechen begangen wurden, offiziell zu entschuldigen.

Die Weltöffentlichkeit ist nach der Aufdeckung der Folter an irakischen Häftlingen durch US-amerikanische Militärangehörige im Al-Graib-Gefängnis sensibilisiert. Dies hat gleichzeitig die systematische Folter, insbesondere die Kriegsverbrechen der türkischen Sicherheitskräfte gegen das kurdische Volk sowie das Verbrechen dieser Kräfte gegen die Menschlichkeit auf die politische Agenda gesetzt.
Gerade während des 15 Jahre dauernden Krieges des türkischen Staates gegen die Bevölkerung in Kurdistan wurden
· unzählige Massenmorde begangen;
· Tausende von Dörfern und Weiler zwangsentvölkert und zerstört;
· nahezu 4 Mio. Menschen aus ihrem Siedlungsgebiet zwangsvertrieben;
· Flora und Fauna in Kurdistan durch gezielte Politik zerstört, Waldflächen und Agrarnutzflächen mutwillig durch Flugzeuge und Hubschrauber in Brand gesetzt;
· Tausende von Kurdinnen und Kurden durch „unbekannte Täterschaft“ ermordet;
· Tausende kurdischer Frauen und Mädchen durch die Sicherheitskräfte oder Dorfschützer vergewaltigt;
· Hab und Gut kurdischer Geschäftsleute und HändlerInnen in den Städten durch Sicherheitskräfte zerstört;
· durch Militär und Polizei Ermordete anonym in Massengräbern verscharrt und die Übergabe dieser Toten an die Angehörigen verweigert;
· historische Kulturgüter in der kurdischen Region vernichtet;
· Oppositionelle systematischer Folter und Sippenhaft durch die Polizei, Gendarmerie und in den Gefängnissen ausgesetzt;
· mehrere kurdische Unternehmer auf Anweisung der Regierung ermordet.

Der türkische Staat hat trotz der zahlreichen Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte bisher keinen Schuldigen vor Gericht gestellt oder zur Rechenschaft gezogen. Obwohl einige der Mafiaangehörigen, die im Schutz des Staates Morde und Erpressungen begangen haben, in den westlichen türkischen Metropolen vor Gericht gestellt wurden, wurde bisher niemand angeklagt und zur Rechenschaft gezogen, der in Kurdistan Verbrechen begangen hat.

Die Türkei auf dem Wege in die Europäische Union muss sich im Rahmen des Demokratisierungsprozesses für die begangenen Verbrechen, offiziell entschuldigen, vor allem bei den Folteropfern, den Angehörigen der Verschwundenen und beim kurdischen Volk. Und sie muss den Opfern und ihren Familien eine umfassende Entschädigung zukommen lassen sowie die Schuldigen gerichtlich zur Rechenschaft ziehen. Ohne diese Handlung wäre eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU nicht denkbar.

Der türkische Staat ist verpflichtet alle Offiziere, Sicherheitskommandeure und andere Funktionäre, die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, sowie Politiker, die diese Verbrechen befehligt haben, so schnell wie möglich vor Gericht anzuklagen. Nur so kann die Türkei ihre Vergangenheit bewältigen und in die Europäische Union aufgenommen werden.

Wir, die Unterzeicherinnen und Unterzeichner dieses Aufrufes unterstützen die Kampagne, die von der Republik Türkei fordert, dass sich sie beim kurdischen Volk für die Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit entschuldigt, ein umfassendes Entschädigungsprogramm einleitet und die VerbrecherInnen zur Rechenschaft zieht.

Die kurdischen und prokurdischen Organisationen, die diese Kampagne unterstützen, werden die Ergebnisse dieser Kampagne an internationale Institutionen und Gremien weiterleiten.

Bonn, 06. August 2004

· IMK e.V. - Internationales Zentrum für die Menschenrechte der Kurden
Abubekir Saydam (Geschäftsführer)

· Verein gegen Kriegsverbrechen in Kurdistan e.V.
Mahmut Kilinc (Vorsitzender)

· Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum e.V.
Knut Rauchfuss

· KOMKAR – Veband der Vereine aus Kurdistan e.V.

· KOMJIN – Kurdisches Frauenbüro Wuppertal

· KOMCIWAN – Verband der Jugendlichen aus Kurdistan

Kontaktadresse:
Abubekir Saydam
IMK e.V.
Postfach 200738, D – 53137 Bonn
Tel.: +49 /(0) 228-36 28 02
Fax: +49 /(0) 228-36 32 97

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